Unterwegs auf dem „Weg des Buches“ vom 17.5.-18.6.2010 Das Tagebuch von Helmut Kaindl
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Pilgertagebuch Tag 33
Einundzwanzigste und letzte Wanderetappe am Freitag, den 18. Juni von Villach nach Agoritschach Ich stehe früh am Morgen auf. Der letzte Wandertag, meine letzte Etappe auf dem "Weg des Buches" ist angebrochen. Nicht Freude, das Ziel fast erreicht zu haben, sondern Wehmut und Abschiedsschmerz erfüllen mich. Heute m u s s ich mich vom "Weg des Buches" verabschieden, er endet nun einmal in Agoritschach. Schlagartig wird mir die Bedeutung des folgenden Satzes bewusst: Der Weg ist das Ziel, aber nicht das Ende! Heute möchte ich alles in die Länge ziehen und solange wie möglich ausdehnen. Meine Begleiterinnen Hilde, Annelies, Elfi, Gerhild und Frau Pfarrerin Renate Sauer begleiten mich liebevoll über den Römerweg durch das Naturschutzgebiet die Schütt und das Steinerne Meer nach Arnoldstein und dann hinauf bis nach Agoritschach. Derr Weg ist abwechslungsreich. Auf den letzten 100 Metern sehe ich den Turm der Evangelischen Kirche von Agoritschach vor mir näherkommen. Bei ihr endet der Weg. Wie gerne würde ich einfach weitergehen, das Ende hinauszögern, so vertraut ist mir der "Weg des Buches" geworden! Nach einer Erfrischung im der Kirche gegenüberliegenden Gasthof, wo ich heute auch übernachte, gehe ich noch vor dem Gottesdienst in die Kirche und danke für den Segen, der auf meiner 33-tägigen Pilgerschaft lag. Langsam füllt sich die herzallerliebste Kirche, auf der Empore versammelt sich der Seltschacher-Agoritschacher Chor. Frau Pfarrerin Sauer gestaltet einen mich zutiefst berührenden, ja direkt aufwühlenden Gottesdienst. Ihre Predigt und ihre Segnung sowie der wunderbare Chor heben mich aus der Gegenwart heraus, lassen mich gleiten ... Beim anschließenden Zusammenkommen im Gasthaus ist Gelegenheit viele fröhliche Gespräche mit den KirchbesucherInnen der Gemeinde Agoritschach-Arnoldstein zu führen. Mein Magen lässt auch wieder Nahrung seit dem Frühstück zu. Am Abend bekomme ich noch Besuch von der Weg-des-Buches-Projektleiterin Charlotte Matthias vom Evangelischen Zentrum aus Wien. Sie hat mich von Anfang an, d.h. von der Idee über die Planung und Organisation bis zur täglichen Eingabe der per Fax geschickten Texte in die Weg-des-Buches-Homepage, begleitet. Sie war immer ansprechbar und hilfsbereit. Sie war die unumgängliche Unterstützung aus dem "Basislager". Ich verbringe mit ihr einen für diesen besonderen Tag würdigen Abend mit dem Rücken zur warmen Außenwand des Gasthofes und dem Blick direkt auf die beleuchtete kleine Kirche von Agoritschach, die 1785 als Bethaus eingeweiht und 1899 mit einem Turm versehen wurde. Sie steht am Hügel auf einer Wiesen direkt vor uns und ist ein freundliches und einladendes Endziel unseres "Weg des Buches" mit menschlichen Maßen. Geschriebenes (mein Pilgertagebuch) und Erlebtes fließen im Gespräch zusammen zu meinem "Weg des Buches". Möge dieser Weg noch viele Pilgerinnen und Pilger zu Erkenntnissen, Einblicken, zu Ein- und Aussichten führen, ihnen die Schöpfung und auch den Glauben (wieder) näherbringen und in ihnen die Vorfreude auf eine weitere Weg-des-Buches-Pilgerwanderung wecken. Ich bin dem HERRN dankbar, dies alles erlebt zu haben. Meine Dankbarkeit ist gepaart mit der Hoffnung noch oft auf diesem Weg gehen zu können.
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Pilgertagebuch Tag 32
Zwanzigste Wanderetappe am Donnerstag, den 17. Juni von Bad Bleiberg nach Villach Früher Aufbruch; Abschied von einer fürsorglichen Gastgeberfamilie. In ihr Haus möchte ich gern wieder eintreten. Die Wolken hängen tief im Hochtal, aber es ist nicht kalt. Zügig geht es bergan zum Hundsmarhof. Vereinzelt Wildanblick, der Wald strahlt Ruhe und Geborgenheit aus. Bei einem Kruzifix halte ich meine tägliche Andacht. Der Bibelleseplan, der dem Wanderführer "Der Weg des Buches" beigelegt ist, ist mir ein treuer und wertvoller Begleiter geworden. Zu Mittag erreiche ich mein Etappenziel ohne einer Menschenseele begegnet zu sein. Erst der prachtvolle Anblick von der Genottenhöhe auf Villach führt mich schlagartig in eine belebtere Welt. Über einen schattigen Fußweg geht's ins Zentrum zu meinem heutigen Quartier. Nach dessen Bezug und einer kleinen Stärkung bereite ich mich auf meinen Vortrag zum Thema "Bilder und Geschichten über den 'Weg des Buches'" im Pfarrsaal der Evangelischen Stadtkirche vor. Die Veranstaltung macht mir Freude. Das Publikum ist zahlreich, die technische Ausstattung perfekt, die Bewirtung danach liebevoll und verwöhnend. Ich danke den Damen und Herrn Pfarrer Rudolf Waron für ihre freundliche Begleitung. Am Abend führt mich ein Spaziergang durch die Stadt am Bahnhof (ich hole mir Fahrpläne für die Rückfahrt) und am Brauhof vorbei. Es war so etwas wie eine Hofwanderung. Mit Wehmut und Abschiedsgefühlen aber auch mit dankbarer Freude, es so weit geschafft zu haben, sehe ich meinem letzten Wander-Pilger-Tag entgegen.
Pilgertagebuch Tag 31
Neunzehnte Wanderetappe am Mittwoch, den 16. Juni von Nötsch nach Bad Bleiberg Es ist 18.00 Uhr, ich sitze in einem gemütlichen Gästezimmer. Regenwolken wechseln mit einzelnen Sonnenstrahlen. Draußen auf der Terrasse hängt regengeschützt die frisch gewaschene Wäsche. Herinnen ist alles ordnungsgemäß verstaut. Ich genieße, erfrischt durch die Dusche und ein Kaltgetränk, den ausklingenden Tag. Meine Gedanken gehen auf den Vortag zurück, auf die stimmungsvoll, berührende Andacht mit Frau Pfarrerin Sauer, den gemeinsamen Abendtisch mit der Andachtsgemeinde in einem kleinen, freundlichen Gasthaus: eine ideale Atmosphäre zum näher Kennenlernnen. Christa und Ulrich brachten mich noch zum Quartier. Beim Aussteigen aus dem Auto fragte ich mich: Fühle ich mich gerade zurückgelassen oder freigelassen für die nächsten Etappen? Heute in der Früh starker Regen. Vor dem Abmarsch um 10.00 Uhr besuche ich die Kirche in Saak für meine Morgenandacht und schicke noch einmal ein "Ballast-Packerl" nach Hause. Auf dem Weg an den Flanken des Dobratsch nach Bad Bleiberg begleiten mich Elfi, Anneliese und Lotte. Nach starken Regenfällen steigen wir in dampfenden Wäldern auf. Vergleiche mit Tropenwäldern werden laut. Wir kommen gut voran, einige Weggabelungen und -verläufe lassen mich aber immer wieder zur Karte greifen. Dem Abstieg nach Wurzenbach stellt sich eine vermurte Stelle entgegen. Ein Bagger belädt emsig einen LKW mit Schüttgut. .... Als der Baggerführer uns sieht, zieht er mit der Schaufel eine Schneise für uns. Einstimmiger Tenor in der Gruppe: Noch nie hat jemand vor uns für uns einen Weg bereitet! Nach einer Stärkung in einem Knappen-Gasthof empfängt uns Pfarrer Boeck zuerst in der Kirche und dann im Gemeindehaus mit Kaffee und Kuchen. Mit Glück- und Segenswünschen werden wir wieder auf den Weg geschickt. Morgen werde ich auf meiner vorletzten Etappe nach Villach wieder allein sein. Wie schnell sich eine lange Reise ihrem Ende entgegen neigen kann ...
Pilgertagebuch Tag 30
Achtzehnte Wanderetappe am Dienstag, den 15.6. von Görtschach nach Nötsch Liebe Tagebuch-LeserInnen! Ihr werdet euch fragen, wo dieses Görtschach ist? Warum nicht Hermagor, sondern Görtschach? Ganz einfach: Meine Schwester und ihr Gatte, Christa und Ulrich, wohnen einige Monate im Jahr in Görtschach, das zwischen Hermagor und St. Stefan im Gailtal liegt. Dort verbrachte ich meinen gestrigen Ruhetag und besorgte mir auch von dort aus in Hermagor neue Wandersandalen für meinen noch immer empfindlichen Fuß und schickte unnötig gewordenen Balllast nach Hause (mein Rucksack wiegt nur noch 8 kg). Ich badete im Presseggersee, genoß Hausmannskost und Familenpflege. Dankbar für die Geborgenheit verlasse ich gemeinsam mit Ulrich, Christa und Hilde (auch ein Familienmitglied aus Villach) das gastfreundliche Haus. Die Wanderung nach Nötsch - teils oberhalb, teils entlang der Gail - durch Busch- und Auwald, entlang von Wiesen und Feldern, ist ein einschichtiges, abwechslungs- und lehrreiches Erlebnis. Meine BegleiterInnen sind nicht nur orts- und geschichtskundig, Hilde ist noch dazu eine perfekte Botanikerin. Über uns dräuen schwere Regenwolken, schwül drückt die Hitze auf uns. Der mächtige Bergstock des Dobratsch rück immer näher. Nur leichte Regentropfen begleiten unseren Zieleinlauf in Nötsch. Heute Abend werden wir noch eine Andacht, gehalten von Frau Pfarrerin Sauer aus Arnoldstein, auf Schloss Wasserleonburg besuchen. Gerhild Carlström, eine Weitwanderin und Mitautorin des Wanderführers zum "Weg des Buches", wird sich zu uns gesellen. Ich danke wieder einmal dem "Weg des Buches" für die vielen "Ergehungen", die mein Leben bereichern.
Pilgertagebuch Tage 28 und 29
Siebzehnte Wanderetappe am Sonntag, den 13. Juni von Weißbriach nach Hermagor, Ruhetag am Montag, den 14. Juni in Hermagor Ja, es geht wieder! Vorsichtig eingehüllt und eingecremt trägt mich der gekränkte Fuß. Ich bin glücklich, denn wie schnell kann ein Plan, eine Aktivität doch kippen! Um 9.00 Uhr Gottesdienst in Weißbriach. Christa, meine Schwester, und ihr Mann Ulrich erwarten mich vor der Kirche. Sie begleiten mich bis Hermagor und werden dort den morgigen Ruhetag mit mir verbringen. Ein sanfter Tag ist heute auf meiner Seite: bequeme Wege, vertraute Mitmenschen, eindrucksvolle Blicke, malerische Landschaftsbilder. Auch die "Schlapfen" mit dem umhüllten Patienten halten zu mir. Am Ende des heutigen Tages sehe ich den abschließenden Etappen wieder mit Freude entgegen. Gute Besserung, lieber Helmut! 
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